Mehr als mit dem Strom schwimmen

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Impulse für eine po­li­tische(re) digitale Bildung

Ein Competendo Handbuch für politische Bildner:innen

#: digitale politische Bildung, kritisches Denken, Digitalisierung, KI, Plattformen, Governance, Identität, Umwelt

"Das Digitale ist politisch. Wenn ich immer mitschwimme, werde ich irgendwann nicht mehr wissen, was es bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen."

Autor:innen: M. Plasencia-Kanzler, N. Zimmermann, E. Rapetti

Design: S. Georgiev

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Englische Originalausgabe: More than Go with the Flow. From platform users to active citizens. Competendo Facilitator Handbooks, Democracy and Human Rights Education in Europe, Brussels.


2026


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Zitiervorschlag: Plasencia-Kanzler, M.; Rapetti, E., Zimmermann, N.; (2026). Mehr als mit dem Strom schwimmen. Impulse für eine politische(re) digitale Bildung. Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V., Verein Sozialprofil, Berlin/Graz. https://competendo.net/en/Mehr_als_mit_dem_Strom_schwimmen

Aus dem Inhalt

  • Das Gesellschaftspolitische in der Digitalisierung (N. Zimmermann)
  • Identität - Identität in einer vernetzten Welt neu denken (E. Rapetti)
  • Mehr Demokratie durchsetzen! Aspekte der demokratischen Governance des „Digitalen” (N. Zimmermann)
  • Umwelt - Digitalisierung kritisch betrachtet (M. Plasencia-Kanzler)
  • Aktiv handeln. Engagement für eine demokratische digitale Transformation

Über das Handbuch

Ein neuer Ansatz in der digitalen Bildung und Jugendarbeit

Eine sich auf „das Politische“ konzentrierende Bildung kann sich nicht mit einem Diskurs über Digitalisierung begnügen, der die sozialen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Auswirkungen der Digitalpolitik und der digitalen Entwicklung weitgehend außer Acht lässt. In den letzten Jahren ist das Bewusstsein für den politischen Charakter von Entwicklungen wie Plattformisierung, KI, strukturellen Entscheidungen im Informationsökosystem und wettbewerbsbezogene Entscheidungen auf dem digitalen Markt gewachsen.

Die politische Bildung muss hier entschlossen handeln. Sie muss Lernende als Bürger*innen ernst nehmen und sie als solche ansprechen, statt sie lediglich als Konsument*innen oder sogenannte „Nutzer*innen“ zu betrachten. Darauf beziehen wir uns im Titel „Mehr als mit dem Strom schwimmen“. Wenn man immer mit dem digitalen Strom schwimmt, weiß man irgendwann nicht mehr, was es bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen. Vielleicht möchte man auch mehr über Wasser und das Ökosystem lernen oder vielleicht mit Formen des Zusammenlebens, Aquarien und Schwimmvarianten experimentieren, die traditionell nicht vorgesehen sind.

Perspektiven der jungen Menschen

Eine die Herausgeber*innen leitende Überlegung war, dass eine junge Generation, die mit der Digitalisierung aufwächst, bereits ab der frühen Kindheit digitale Daten generiert, analysiert, teilt und speichert. Diese Datenwolke ist nicht mehr nur ein fragmentarisches Spiegelbild des Selbst, sondern Teil davon. Wie können wir ihnen mehr Kontrolle und Handlungsspielraum in Bezug auf ihr digitales Selbst geben? Diese Frage ist für andere Generationen nicht neu, für „uns“, deren Leben noch nicht vollständig digitalisiert ist, jedoch weniger grundlegend. In diesem Sinne tragen ein besserer Datenschutz und mehr Privatsphäre zur „generationsübergreifenden Empathie“ bei.

Identität, Governance, Umwelt

In diesem Handbuch behandeln wir die Digitalisierung unter drei Hauptthemen, die wir für eine informierte politische Jugendbildung zur Digitalisierung als besonders wichtig erachten.

Erstens gibt es für Bildung zum Thema „Identität“ in der digitalen Welt zahlreiche Anknüpfungspunkte. Schließlich sind Datifizierung, Tracking und die datenmäßige Kategorisierung von Einzelnen weit verbreitet. In diesem Zusammenhang dürfen wir nicht vergessen, dass das Jugend als Lebensabschnitt gerade dadurch gekennzeichnet ist, dass junge Menschen nach einer Identität oder Identitäten suchen und damit experimentieren, den Prozess der Identitätsbildung aber in vielerlei Hinsicht auch als Herausforderung empfinden.

Zweitens sind Fragen nach Regeln und gesellschaftlicher Kontrolle, die den Inhalt des nächsten größeren Kapitels bilden, keineswegs rein technischer Natur. Was die Demokratie insbesondere auszeichnet, ist, dass diese Regeln und Entscheidungen nicht allein von einer kleinen Gruppe getroffen werden können und dass grundsätzlich jede*r – von Politiker*innenn bis hin zu Nachbarschaftsinitiativen – das Recht hat, neue Regeln vorzuschlagen. Governance ist politisch, und ohne angemessene Bildung zu Fragen der Regelsetzung und -durchsetzung, auch im Zusammenhang mit der Digitalisierung, ist digitale Teilhabe an der Demokratie undenkbar.

Auch für den digitalen Bereich müssen wir uns fragen, wie und durch wen Macht eingeschränkt, überwacht und reguliert werden soll. Wir beziehen uns aber auch auf die Regeln, wie digitale Infrastruktur genutzt werden soll. Wer soll dabei mitreden dürfen? Wer soll die Daten einsehen und nutzen dürfen? Welche Regeln sollen in den vielen digitalen Räumen der Zukunft gelten? Welche Art von Digitalisierung wollen wir eigentlich vorantreiben? Es muss auch geklärt werden, wer für die Kabel und Dienste bezahlt und wem diese gehören sollen, ebenso wie die darin genutzten und generierten Daten.

Wenn Daten das neue Öl der Wirtschaft sein sollen, dann ist demokratische Governance der entscheidende Faktor, der sicherstellt, dass das System so sicher und reibungslos wie möglich zu mehr Demokratie sowie zu sozialem, wirtschaftlichem und ökologischem Fortschritt beiträgt. Das ist es, was uns von Russland oder China unterscheidet.

Drittens müssen wir als Gesellschaft die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Umwelt kritisch hinterfragen. Das Konzept des „ökologischen Rucksacks“ offenbart eine wichtige Wahrheit: Digitale Geräte sind physische Produkte, keine virtuellen. Sie tragen ökologische und soziale Belastungen mit sich, die ihre physische Masse bei weitem übersteigen. Dieses Kapitel untersucht drei miteinander verflochtene Dimensionen digitaler Technologie und Nachhaltigkeit. Es beleuchtet die materiellen Grundlagen unserer digitalen Welt – von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung bis hin zur Abfallerzeugung. Jedes Smartphone, jeder Computer und jedes Rechenzentrum ist auf komplexe globale Lieferketten angewiesen, die erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt haben. Darüber hinaus befasst es sich mit der doppelten Rolle der Digitalisierung in der Klimakrise. Während energieintensive Technologien Emissionen verursachen, ermöglichen sie gleichzeitig innovative, datengestützte Ansätze für den Klimaschutz.

Schließlich wird untersucht, wie digitale Lebensweisen – Streaming, Gaming, Online-Konsum – das Alltagsverhalten prägen und welche ökologischen Folgen dies hat. Durch das Verständnis dieser Zusammenhänge können junge Menschen ihre digitalen Gewohnheiten kritisch reflektieren und nachhaltigere Wege im Umgang mit Technologie entdecken. Jeder Abschnitt verbindet Hintergrundinformationen mit praktischen Beispielen aus der Jugendarbeit und endet mit anregenden offenen Fragen („Blank Spaces“), die sich ideal für den Einsatz in Projekten, Workshops oder im Alltag eignen. Ein Handbuch für außerschulische politische Bildner*innen, Jugend- und Sozialarbeit…

Ein handbuch für pädagogische Fachkräfte

Dieses Handbuch richtet sich an Fachkräfte wie außerschulische Bildner:innen oder Jugend- und Sozialarbeiter:innen, soll aber auch Lehrkräften einen Mehrwert bieten. Es hat daher sowohl theoretische als auch praktische Ziele. Aus diesem Grund haben wir wiederholt versucht, die Leser*innen mit konkreten praxisbezogenen Vorschlägen zu inspirieren.


Methoden und Links aus diesem Handbuch

Das Gesellschafts­politische in der Digitalisierung

Weitere Links

Auf Competendo

Identität

Weitere Links

Auf Competendo

Mehr Demokratie durchsetzen!

Weitere Links

Auf Competendo

Umwelt

Weitere Links

Auf Competendo

Aktives Engagement

Weitere Links

Auf Competendo


Autor:innen

Nils-Eyk Zimmermann

Nils-Eyk Zimmermann

Editor of Competendo. He writes and works on the topics: competences, active citizenship, civil society, digital transformation, non-formal and lifelong learning. Coordinator of European projects, in example DIYW-ROAD or DIGIT-AL Digital Transformation in Adult Learning for Active Citizenship, DARE network.

Blogs here: Blog: Civil Resilience.
Email:nz.at.dare-network.eu

Markus José Plasencia-Kanzler

Lives in Graz (AT). Expert for youth education and non-formal education, creativity and Europe-related ciitizenship education. Facilitator and project coordinator, consultant for supervision and organisational development. Co-editor of the Competendo handbook More than Go with the Flow (2025/26). https://www.panthersie-fuer-europa.at/.

Email: markus.plasencia.at.sozialprofil.org

Elisa Rapetti

Researcher and learning facilitator with a PhD in Social Research Methodology. She works in research, training, and project design, focusing on youth participation, Global Citizenship Education, and digital transformation at Democracy and Human Right Education in Europe (DARE).

Email: elisa.rapetti.at.dare-network.eu


Digital Youth Work

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Dieses Handbuch wurde im Rahmen des Projekts Digital Youth Work. Rights-sensitive, open, accessible, democratic erstellt.

Die deutsche Ausgabe wurde herausgegeben von: Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V. und Verein Sozialprofil.

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